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Adaption für Voiceover

Was ist Voiceover?

Bei audiovisuellen Übersetzungen bezeichnet der Begriff Voiceover eine Sprecheraufnahme, die über den Originalsprecher gelegt wird. Anstatt ein Werk zu synchronisieren und den Originalton zu ersetzen, legt man die eingesprochene deutsche Fassung über den im Hintergrund leise hörbaren Originalsprecher.
 

Wo gibt es Voiceover?

Voiceover-Fassungen sind in Deutschland fast ausschließlich bei nicht-fiktionalen Formaten üblich, wie Dokumentationen und Reportagen, Reality-TV, (Casting-)Shows etc.
 

Wie entsteht eine Voiceover-Fassung?

Für eine Voiceover-Übersetzung bekommen wir das Bildmaterial sowie ein Skript in der Originalsprache (im Idealfall …). Wie bei allen audiovisuellen Übersetzungen ist es unerlässlich, den Text auf Bild, Schnitt und Ton abzustimmen, damit am Ende ein vertonfertiges deutsches Skript vorliegt. Daher handelt es sich nie um eine reine Übersetzung, sondern immer um eine Adaption.

Da Voiceover meist im nicht-fiktionalen Bereich angesiedelt ist, kommen oft Recherche-Aufgaben hinzu, wie bei einer Geschichtsdokumentation das Überprüfen von historischen Gegebenheiten. Für eine korrekte Übersetzung müssen wir immer wieder in kürzester Zeit Expert*innen für verschiedene Fachgebiete werden.
 

Was sind die wichtigsten Regeln?

  1. Der einzusprechende deutsche Text sollte nicht länger sein als der im Original gesprochene Text. Dabei unterscheidet man zwischen der Erzählstimme und O-Tönen. Die originale Erzählstimme wird ausgeblendet, während die O-Töne in der Originalsprache leise unter der deutschen Stimme zu hören bleiben. Bei den O-Tönen sollte der deutsche Text kurz nach Beginn des Originalsprechers einsetzen und kurz vor Ende seines Statements aufhören. Anders als bei einer Synchronisation überlappen die deutschen Stimmen im Voiceover nicht. Egal ob Erzählstimme oder O-Ton, in den allermeisten Fällen heißt das für den deutschen Text: kürzen. Daher empfiehlt es sich, die deutsche Fassung parallel zum Original mitzusprechen. 

  2. Es handelt sich um gesprochene Sprache. Regeln, die für die Schriftsprache gelten, dürfen und müssen gebrochen werden. Wir schreiben keinen Thomas-Mann-Roman, sondern einen Text, der für Zuhörer*innen verständlich ist.

    • Lieber viele kurze Sätze als lange Schachtelsätze.

    • Lieber Perfekt als Präteritum.

    • Gern auch mal „Ich hab“. Wer sagt schon wirklich „Ich habe“?

  3. Der deutsche Text sollte zu Bild und Schnitt passen. Wenn jemand sagt: „Dann geh ich um die Ecke und plötzlich steht da ein Bär“, sollte der Bär auch erst nach der Ecke ins Bild kommen.

  4. Der deutsche Text sollte zu den hörbaren O-Tönen passen. Wenn dort am Anfang oder Ende Schlagwörter fallen, setzen wir sie im Deutschen möglichst an dieselbe Stelle.

Bei Bedarf lassen sich alle Regeln kreativ beugen.

Was liefern wir?

Wir liefern in jedem Fall ein Dialogbuch, das die Auftraggeber*innen zur Vertonung nutzen. Es enthält den deutschen Text gegliedert in Takes, versehen mit Timecodes (TC-In immer, TC-Out ggf.), Rollenangaben und Aussprachehinweisen. Zusätzlich zum gesprochenen Text werden auch die Inserts (Bauchbinden, Karten, UT, usw.) übersetzt und ggf. ergänzt / entfernt.

Folgende weitere Dinge fallen je nach Auftraggeber*innen ebenfalls in den Lieferumfang:

  • Belege für Faktencheck
  • Pressematerial (Titelvorschläge, Synopsen, Bildunterschriften)
  • Erstellung eines Glossars bei Serien oder Sendereihen
  • Koordination von Übersetzungs-Teams bei Serien oder Sendereihen
  • Formatierungsaufgaben
  • Einpflegen von redaktionellen Änderungswünschen
  • Castvorschläge und Berechnung von Buchungszeiten für Sprecher*innen 
  • Abnahme von Mischungen
  • Erstellung des finalen Buches (as recorded)

Jeder einzelne der oben genannten Schritte kann wiederum unterschiedlich aufwändig sein. Zum Beispiel allein beim Dialogbuch: In manchen Fällen erhält man von den Auftraggeber*innen als Grundlage Masken oder Skripte, in die man nur die Übersetzung einträgt. In anderen Fällen erhält man einen Fließtext und muss das komplette Dialogbuch selbst anlegen (inklusive Takes, Timecodes und Rollen).

Fazit: Man sollte sich im Voraus genau über die Anforderungen informieren und das Honorar entsprechend kalkulieren. 

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